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05.02.2012 :: Druckversion
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Die unterschätzte Gefahr

Die unterschätzte Gefahr

Wohnschadstoffe meiden, Belastungen beseitigen

Formaldehyd im Ikea–Regal, Holzschutzgifte in der Deckenverkleidung, Pestizide im Wollteppich – die Skandale um Wohngifte reißen nicht ab. Umso erstaunlicher, dass sich die bundesdeutschen Verbraucher ziemlich unbeeindruckt von den Gesundheitsrisiken zeigen. Wer sich ein neues Sofa kaufen will, schaut in erster Linie auf Preis und Design und nicht etwa auf die möglicherweise enthaltenen Chemikalien. „Wenn die Substanzen wirklich so gefährlich wären, hätte man sie längst verboten“ oder „Ich kann mir keine Öko-Möbel leisten“ sind die gängigen Argumente. Die meisten unterschätzen damit die Gefahr, die vom Chemiecocktail in den eigenen vier Wänden ausgeht.

Fluchtartig musste eine Mutter mit ihren beiden Kindern die Wohnung verlassen, nachdem bei einer Hausstaubanalyse das Nervengift Permethrin gefunden worden war. Seit dem Einzug war die ganze Familie von Kopf– und Gelenkschmerzen sowie Schwindel geplagt. Der Verdacht lag nahe, dass die neue Wohnung die Familie krank gemacht hat. Als Ursache entpuppte sich der Teppich im Kinderzimmer, der mit einem Mottenschutzmittel behandelt worden war – durchaus üblich bei Wollteppichen. Absurderweise erhalten solche Bodenbeläge sogar das Siegel der „Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppiche.“ Aus allen Wolken fiel auch ein Mieter, dem sein nagelneues Schlafzimmer Augenbrennen und Übelkeit bescherte. „Ich hätte nie gedacht, dass man sich so etwas mit Marken-Möbeln ins Haus holen kann, zumal ich kein Allergiker bin“, sagt er. Welche Substanzen in diesem Fall im Spiel waren, wurde nie geklärt. Das Möbelhaus zeigte sich kulant und nahm die Ware auch ohne Laboruntersuchung zurück – und die Beschwerden des Kunden verschwanden schlagartig.

Die Fälle zeigen: Nach wie vor enthalten viele Einrichtungsgegenstände, aber auch Farben, Baumaterialien und Bodenbeläge krankmachende Schadstoffe. Zwar hat sich seit den 70er Jahren zweifellos einiges verbessert. Die Holzschutzmittel DDT, Lindan und PCP, die früher tonnenweise unbekümmert verstrichen wurden, sind in Innenräumen mittlerweile ebenso verboten wie das Krebs erzeugende Asbest. Seit 1981 dürfen zudem nur noch Spanplatten mit niedrigem Formaldehyd–Gehalt verwendet werden. Doch zur Entwarnung besteht trotzdem kein Anlass. Zum einen, weil diese Gifte als Altlasten immer noch in vielen Wohnungen vorkommen – oft ohne Wissen der Bewohner – und zum anderen, weil sie durch neue Stoffe ersetzt worden sind, deren langfristige Auswirkungen auf den Menschen noch gar nicht erforscht sind. „Die Baustoffe von heute sind die Gefahren von morgen“, erklärt sogar Dr. Robert Rath vom Berliner Landesamt für Arbeitsschutz – keine Behörde, die im Verdacht der Öko–Hysterie steht. Asbest wurde beispielsweise durch künstliche Mineralfasern ersetzt, deren Unbedenklichkeit nicht bewiesen ist. Dazu kommt: Durch den Trend zum Energiesparen haben sich Wohngiftprobleme in den letzten Jahren sogar noch verschärft. Wärmedämmung und dichtere Fenster verhindern die ständige Frischluftzufuhr und die Schadstoffe können sich im Innenraum anreichern.

Woran liegt es also, dass die Nachfragen zum Thema Wohngifte bei der Verbraucherzentrale in den letzten Jahren zurückgegangen sind?

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